Über Äpfel und Spermien

Es ist mal wieder Zeit sich über eine Firma zu ärgern. Diesmal über eine, von der man immer behauptet man hätte nie einen Grund sich über sie zu ärgern. Weil die Produkte alle so toll und schön und schick sind. Na klar, es geht um den Apfel.

Ich hätte es besser wissen müssen. Gerade hatte ich erst einen Mac Mini in der Firma bestellt, der nach einer Woche nicht mehr booten wollte.



Aber ich habe es dann doch getan. Windows war noch nie zu ertragen, und nach Jahren mit Linux hatte ich davon auch langsam genug. Zudem ich Software wie Lightroom dort nicht nutzen kann. Da ich aber doch seit meiner Zeit an der fabelhaften TU Berlin Unix liebe, erschien ein Mac trotz all der bekannten Applewidrigkeiten ein akzeptabler Kompromiss.

Samstag

So begab ich mich am Samstag zu dem eleganten Apple Store in der Münchner Rosenstraße. Da wurde ich auch gleich nett empfangen, und nachdem ich meine Vorliebe für einen 27” iMac mit Retina 5K Display äußerte, war der Fall klar. Denn es gibt diesen dort in genau einer Konfiguration. Keine Variationsmöglichen, kein Auf- oder Abrüsten von irgendwas war möglich. Seltsam, aber insgeheim war ich auch froh, dass man mich davon abgehalten hat noch einen Tausender draufzulegen. Ich nahm ihn mit. Dankenswerterweise fuhr mich eine Freundin mit ihrem Auto nach Hause, denn das ganze Paket ist doch etwas unhandlich.

Sonntag

Sonntag kam ich dann auch dazu, den iMac zu “unboxen”, wie man heute sagt. Mit einer fast peinlichen Vorsicht entblößte ich ihn auf meinem Schreibtisch, und als ich endlich den Anschaltknopf gefunden hatte, und kurz darauf diese etwas zu laute Fanfare des erleuchteten Apfels mein Ohr verzückte, dachte ich: alles wird gut.

Leider hielt die Freude nur ein paar Minuten. Genau mitten in diesem 5K Display sind drei kleine Risse. Keine kaputten Pixel, sondern so kleine miese Risse, die aber durchaus groß genug sind, um einem relativ direkt ins Auge zu fallen. Auch ein Rumgewische mit dem iMac Wischtuch brachte keine Linderung. Das Display war einfach kaputt. Fertig.

Wie kann Apple sowas an den Kunden geben, einen Displayfehler, den jede Qualitätsprüfung innerhalb von Sekunden finden müsste? Aber es half ja nichts. Das Gerät musste ausgetauscht werden, und zwar schnell.

Trotz einem Anfall extrem schlechter Laune fühlte ich mich noch auf der sicheren Seite, zudem ich auch noch diesen Apple Care Protection Plan mitgekauft hatte! Gleich am Montag würde ein – wahrscheinlich ganz in weiss gekleideter, persönlicher, immer lächelnder – Apple Care Serviceexperte vor meiner Tür stehen stehen, mir einen neuen iMac und einen Blumenstrauß bringen, den alten mitnehmen, und sich dabei mehrmals glaubhaft und demütig entschuldigen. So ungefähr stellte ich mir das vor. Und warum auch immer musste ich dabei an die Spermien in Woody Allens Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten denken. So würde der Serviceexperte bestimmt aussehen. Vielleicht hat mir der Apfelgott das übel genommen.

Also rief ich die Servicenummer an, die auf der Minianleitung stand. Nach der Beantwortung einiger Fragen, die automatisch ausgewertet wurden, teilte mir die Computerstimmenfrau mit, dass Sonntags ja gar keiner arbeiten würde. Aha. Der weiße Spermienmann von Montag wurde unwahrscheinlicher. Ey Steve, was ist hier eigentlich los? Aber ich gab nicht auf, es gab ja noch die Serviceseite im Internet. Nachdem ich da wieder einige Dinge von mir verraten musste, konnte ich einen Serviceanruf vereinbaren. Ich nahm den ersten möglichen: Montag um halb 9.

Montag

Eine Nummer aus Irland rief pünklich an (sláinte!), und auch wenn der Herr etwas schlecht zu verstehen war, er machte mir Mut. Sie haben ja einen Apple Care Protection Plan – das find’ ich toll! Ich auch. War ja auch nicht billig. Das wäre alles kein Problem mit dem Austausch, ich sollte einfach die richtige Hotline anrufen, aber die arbeiten erst ab 9.

Ich rief um 9 die zweite Nummer an. Leider klang das dann alles auf einmal gar nicht mehr so toll. Austauschen ginge gar nicht. Das machen wir nur bei iPhones. Konnte es sein, dass der Apple Service so viel beschissener war, als z.B. der von Dell? Bei Dell habe ich schon den gleichen Laptop in 3 verschiedenen Ländern vor Ort reparieren oder austauschen lassen, ohne Probleme. Und jetzt verkauft man mir ein defektes Gerät, und trotz Protection Plan Gedöns wird der nicht umgehend ausgetauscht? Ey Steve, was ist hier eigentlich los? Und es ging noch weiter, der junge Herr schwafelte weiter von Service Providern oder so, und nicht alle würden die Geräte abholen, bla bla bla. Leute, ich hab den Rechner nicht bei Westfleisch Solutions oder so gekauft, sondern im offiziellen Apple Store. Was will er denn jetzt mit Service Providern? Es half nichts. Es lief darauf hinaus, dass ich den Apple Store anrufen musste. Nix Apple Care.

Ich rief also den Apple Store an. Verbrecher kehren ja oft an der Ort ihres Verbrechens zurück. Erstmal schön Warteschleife. Dann eine Dame. Ich erkläre zum dritten Mal den Tathergang. Langsam werde ich etwas ungehalten. Ich würde erwarten, dass man das Gerät bei mir umgehend austauscht. Einen Abholservice haben wir aber nicht. Tja, da habe ich wohl Pech gehabt. Dass ich kein Auto habe, und mir jetzt frei nehmen muss wenn ich nicht bis Samstag warten will, spielt hier keine Rolle. Es war ja nur der offizielle Apple Store in München. Da darf man halt weder Auswahl noch Service erwarten.

Aber es wurde noch besser. Ich wurde darauf hingeweisen, dass solche Sachverhalte “der Manager” entscheidet. Schliesslich hätte ich das Gerät ja jetzt schon ausgepackt. NATÜRLICH HAB ICH DEN AUSGEPACKT. ICH HAB DEN JA GEKAUFT, UM DEN DANN AUCH AUSZUPACKEN. DU APFEL! Und es könne ja nun auch sein, dass mir der iMac runtergefallen sei. Das müsse man natürlich prüfen. Und dann entscheidet das alles der Manager. Aber wir würden da schon “eine Lösung” finden. Ich versuche mich an alle Entspannungs- und Deeskalationstechniken zu erinnern, die ich kenne. Inhale deeply, exhale slowly. Das war alles ein schlechter Scherz. Ich musste zur Arbeit. Heute wird das nichts mehr mit dem Einpacken und dem Taxi und dem Freinehmen und dem Manager. Dann vielleicht morgen. Update folgt.


Page 1 of 1, totaling 1 entries